Sechs Fragen an einen Autor zu fünf fürchterlichen Typen

Wie ist das Stück ‚Fürchterlich Fünf’ entstanden?

Ich war in einem Theater, um ein Stück zu probieren. Aber die Schauspielerin, mit der ich arbeiten wollte, war krank. Das ist Jahre her. Ich bin in den Bühnenraum gegangen und habe Schauspielern zugesehen, wie sie das Buch von Wolf Erlbruch spielen wollten, aber keine Geschichte für Theater hatten. Da habe ich Szenen für das Theater aufgeschrieben. Die Geschichten wollten die Schauspieler nicht. Sie wollten es allein entwickeln und hatten dann nicht viel Glück dabei, denn was sich auf der Bühne bewegte, waren sie und keine Geschichte. Einmal begonnen, habe ich an dem Stück weiter geschrieben. Später erfuhr Andreas Steudtner, dass es da ein Stück gibt und wollte es für das Hans-Otto-Theater, diese Geschichte, nur etwas anders. Daraufhin sind drei neue Fassungen des Stückes entstanden. Erzählen braucht seine Zeit und nimmt sie sich.

Welches sind die ‚bestimmten Dinge’ oder ‚Dinge nicht’, warum Du die ‚Fürchterlichen Fünf’ erzählst?

Das ist eine schwere Frage. Geschichten sind immateriell. Interessant ist, wie fünf unterschiedliche Wesen, Biografien, Charaktere, Temperamente gegeneinander kommen, sich Erlebnisse miteinander bringen und dadurch sich und ihre Begabungen kennen lernen, sich in ihrer Unterschiedlichkeit annehmen und miteinander füreinander werden. In dem Buch von Wolf Erlbruch fand ich einen schönen Anfang dafür.

Im Untertitel heißt das Stück ‚Nach Motiven des Kinderbuchs von Wolf Erlbruch’. Welche Motive hast Du aufgegriffen und welche außen vor gelassen?

Bei Erlbruch fand ich den Anfang einer Geschichte und fünf unterschiedliche Typen, die in ihrer Nähe waren. Aber es hätten auch andere Typen sein können. In seinem Buch wird viel mir Bildern erzählt. Im Stück treten die Figuren aus den Bildern heraus, werden lebendig und verändern sich. Jeder findet seinen Ausdruck. Musik machen und Pfannkuchen essen, reicht nicht, nicht für Theater und nicht fürs Leben.

Was müssen Geschichten erfüllen, wenn Du für Kinder schreibst?

Wenn ich was aufschreibe, schreibe ich es für alle auf. Wir leben nicht getrennt voneinander. Die Welt der Kinder ist vielleicht größer. Sie haben eine ganzheitliche Weltsicht. Da ist für sie mehr drin. Die erwachsene Welt, oder sollte ich entwachsene Welt sagen, vergisst schnell. Die Märchen gehen alle in Erfüllung. Das erzähle ich den Erwachsenen. Und den Kindern, wie sie dazu kommen, dass Geschichten wahr werden.

Was sollte eine Theateraufführung, in der die meisten Zuschauer Kinder sind, ausmachen?

Eine Aufführung sollte in sich stimmig sein. Ein Spiel das empfindbar ist und nachfühlbar im Leben bleibt. Es muss wahrgenommen werden können, woher die Situation kommt und warum das gesagt und jenes getan wird. Es braucht nicht langweilen, wenn nicht Lange Weile erzählt werden soll.

Die Figuren in ‚Fürchterliche Fünf’ sind Tiere, aber menschliche Charaktere. Kannst Du jeden der Fünf kurz beschreiben?

Die Fledermaus kann fliegen. Das kann die Spinne nicht. Die Spinne spinnt. Das kann die Kröte nicht. Die hat Warzen und mit sich zu tun. Die Ratte möchte für sich sein. Das will die Kröte nicht. Sie denkt, die Warzen wären Schuld, dass sie allen ist. Wenn sie nur auf ihre Warzen sieht, sieht sie die Hyäne nicht. Die stinkt und singt und ist sehr eigen; nicht nur im Aussehen. Sie hat gelernt, mit sich zu leben und so kann sie es auch mit anderen. Spinne und Fledermaus sind schon länger ein Paar, obwohl sie so verschieden voneinander sind. Es geht gewaltig zwischen ihnen hin und her. Das steht der Kröte mit der Hyäne und der Hyäne mit der Kröte vielleicht auch noch bevor. Die Ratte sieht das aus der nahen Ferne. Wer weiß, was sie schon zu zweit erlebt hat? Um das zu erfahren, sollten wir die Inszenierung sehen. Jeder sieht etwas anderes und vielleicht sehen wir gemeinsam mehr. Oder? Kröte ist mit sich beschäftigt. Spinne weiß immer alles. Fledermaus verschafft sich Gehör. Ratte ist klug für sich. Hyäne ist wie sie ist.