Schriftbild

Nach Motiven in der Malerei der Regina Nieke.

BLAUGEWITTERN am uferlosen Meer schaut ein Mann endlos hinaus und schaut zugleich in sich hinein. Ein blaues Gewölbe öffnet, sein blaues Wesen löst sich, eine blaue Erscheinung lässt ihn ein. Im Schwarzmantel der Nacht steht er zwischen den Ufern, atmet die frische Brise zwischen Sand und See. Fragmente ihres Scheiterns wurden zum Torso seines Seins. Das brachte ihm ihr Urteil ein und zwischen alle Ufer. Wasser zieht ihn. Böe schiebt ihn. Sturm hebt ihn. Dem Ruf bläst der Wind Sand ins Gesicht. Das MÄDCHEN IM STURM am anderen Ufer hört ihn nicht. In Kältenebeln sitzt es, Beine im Wasser, Arme zwischen den Knien. Unterm Haar ihr Gesicht, ein müdes Licht spiegelt sich, strahlt nicht, schaut sich, sieht sich an, sieht, wohin es sie bringen kann. Die Frau am Meer trauert sich ein, wie sie als Mädchen war, wird sie nicht mehr sein. Umspült von Eiswasser im blassen Schimmer ein Gesicht im bewegten Spiegel der See. Ihr tun nicht nur die Füße weh. Gelaufen ist sie viel von ihm weg. Er sucht sie nicht. Ihr Spiel verfehlt seinen Zweck. Licht dringt durch die Risse der Nebelwand. Gold rosa quillt es aus dem graublauen Meer. Wie sie kann der MANN IM WEISSEN BOOT nicht mehr. Unter blauer Haube allein, im mattroten Wasser bleicher Lichtschein. Ohne Ruder sitzt er im Eismeer reglos im blutrot des Sonnenuntergangs, lässt sich treiben. Wasser trägt ihn, Strömung zieht ihn, der Mahlstrom saugt ihn ein. Alle die da fallen, zwischen Wasserfall und Sandsturm, sein all ein. Im letzten RITT DER NACHT, Frau und Mann, vielleicht ein Liebesakt. Aufgesteckt ihr Haar, um es nicht mit dem Schal zu verwirren. Gefühlsblind wie sie ist, ist sie am irren, im auf und ab des Lebens. Er drückt sie nicht fort. Er zieht sie nicht heran. Ob er näher in ihrem Erleben mit Abstand sein kann? Sie konnte es ihm nicht sagen. Er ließ es mit sich nicht geschehen. Die Hand an ihrer Hüfte in Bewegung sehen. Sein letzter Atem am grauen Fluss, nicht aufgehoben in ihrer Lust. Ihr Verlangen drückt ihn tief in den Sand, bis sein Augenlicht schwand. Den Schal um seinen Hals hält noch ihre Hand. Dann lässt sie ihn aus sich gleiten, reibt ihn ab mit Sand. Er hatte seine Zeit. Sie nahm, was ihm zu geben war. Bis die Sandwolken ihn überziehen, wird sie noch neben ihm knien. Eine Strähne fällt gelb aus dem Haar. Die Röte entweicht seinem Gesicht. Weiß glimmt sein Herz ihr entgegen. Kann es was Argloseres geben? Wie er sie sah, wusste sie, er kann sich nur in ihr Geheimnis fügen. Sie wird immer lügen, benutzt die Wahrheit, die sie gerade braucht. Er sprach von Liebe zu ihr. Sie hat ihn so gebraucht. Da kniet sie im Korsett ihrer Prägung, mit Behagen im Gesicht, sieht sie seine letzte Regung. Wird es wieder geschehen, welche Jungen zu Männern und Männern zu Jungen, am Ende es keinen Unterschied macht, wie sie im Flugsand untergehen. Anregend war es, bis ein NACHTFALTER sie zu seinem Nest gemacht. Seine Fühler um sie gestreckt, hatte er sich in sie verpuppt. Auf ihre Knie sich stützend, schleudert sie den Kopf hin und her. Arme, die sie einst hielten, waren Flügel der Nacht. Ihr Zittern hat sie um den Verstand gebracht. Schmetterlinge im Bauch, Larven auch, der schwarze Falter der Nacht hat seine Saat in sie eingebracht. Alles erleben, schwingen, schwanken, schweben, sich aufgeben. BLIND voreinander halten sie sich umschlungen, versinken ineinander, verschwinden voreinander, sind verschwunden. Falsch zueinander, verwischt, verlischt alles in der Schwebe, schwebt ihnen was vor, ineinander aufgelöst, nicht mehr sichtbar, für ihn nicht, für sie nicht, für andere nicht, nicht mal für sich selbst. Füreinander endbrennen, sich aufs übelste trennen. Den SCHREI schreien, einmal, zweimal, dreimal, sein großes Maul, die Zähne zeigen, sich austoben viele Male. Male hat es hinterlassen, Wunden, Narben, Risse. Im Schrei das Maß, die Haltung, sein Angesicht, den Boden unter den Füßen verlieren, sich nicht mehr wieder erkennen, loswerden alles und jeden. Wut wie Feuer und Eis, die Tapeten reißen, die Wände bröckeln, Mauern stürzen. In einer Ecke noch in sich geknüllt, vor sich selbst versteckt, ausgelaugt, am Boden VERLOREN, ineinander gebogen, verkrümmt, verkümmert im Schatten seiner selbst, Schutz suchen, in sich keinen Freund finden. Farben bleichen aus, auskühlen im Weiß. Hebt sie sich nicht auf, umschließt sie das Dunkel. Wie ein Kind im Bauch der Mutter, liegt die TRAUERWEIDE im Garten, mit sich im Vergessen ohne ihn zu sein. Hat sie ihn sich für ihre Liebe gefunden, soll alles schön sein. Im Grün steigt sie auf, auf einem rosa Lacken schläft sie, träumt wie sie ihren Traum bewacht, wie sie aus ihrer Traum erwacht, funkeln ihr noch violetten Perlen einer schlaflosen Nacht. Er war ihr entschwunden, sie entschwebte ihm, verschwanden in orangevioletter Nacht, hatten sie sich einst gefunden, nicht viel Worte gemacht. Er drang in sie, als sie sich aufgemacht, erlebten worüber die Nacht wacht. Sie schwebten ineinander, flogen über einander her, dann fielen sie von sich ab, in weißviolettem Schauern, aus ihrer orangeroten Nacht. Aus ihren orangenen Himmeln sinken beide in violette Nacht, Klänge schallen, Farben reißen, lösen im Rausch ihre Leiber auf. Mit sich allein, holen sie sich wieder ein. Ist er ihr zu nah, kommt er ihr nicht nach, will allein sein und nicht von ihr los. Er windet sich aus ihr heraus. Es ist mit ihr aus. Sein Verlangen steigt in ihm auf. Um ihre Freundschaft wiederzufinden, musste sie verschwunden sein. AUSGESTRECKT ihr nachsinnend, kann er ihr nicht entgehen, jedes Erinnern ist ein Wiedersehen. Sein Leib ist entzündet. Violette Schauer durchziehen ihn in orangeroter Nacht. Mit ihr und ohne sie zu sein, hat ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Seine grauen Augen versinken im orangeroten Gesicht, hin zum grünen Morgen steigen violette Tropfen aus ihm auf. Von Sinnen, satt und matt, fließt es in blaurotem Wasser von ihm ab. Die Himmel jeder Nacht, haben ihn fast um jene Einsicht gebracht. Im orangenen Licht tropft der TRUDE rosa grüne Träne im Gesicht. War der Regen ihr Cape, umhüllt sie nun der Sand. Ihr Blick sandverschleiert im Gewand, er ist ihr durchgebrannt. Wohinein, wohinaus? Das Licht trocknet sie aus. Entfernt Mann sich, schaut der Tod aus dem Schädel in ihrem Gesicht. Auf Lust folgt Leere, Leid und wieder Licht. In der MATRATZENGRUFT hingestreckt, den Kopf auf dem Arm, noch den Wein der Nacht in der Hand, der Tages Versprechen verbannt. Durch eine dunkle Brille sehen, der Falter steigt nicht mehr, der blauen Stunde, hinter den Turmspitzen der Nacht, entgegen. In Städten wird manch einer nur in der Asche des Vorigen überleben. Im Schmutzrand eines Buches, zu erinnern den graubraunen Fließ, den Staub in der Farbe, den Dreck im Lack, die Kratzer an der Wand, Kunde zu geben, aufzureißen den Vorhang, der das Dunkel bewacht, wie der schwarzer Hund vor ihm. Auf SPUREN DES VERLASSENEM regt sich schreibend ein Affe in seinem Pferch, halb den Blick auf Schrift und Papier, halb seinem Betrachter zugewandt, eine Probe seines Könnens vorstellend. Den Schwanz seines Vorlebens, wie ein Schatten um sich gelegt, gefangen, entführt, vielleicht befreit in einer Art zu leben, als die ihm von Natur aus gegebene. Im Blick seinen Kasten und seine Zwinger, benutzt er eifrich Stift und Papier, wie er es sich von seinen Freinden abschaute, um zu gefallen. Offenen Ohres hört er dem Diktat zu, um fremden Verlangen entgegen zu kommen, ist er doch noch immer auf dem Sprung in sein Vorleben. EIN FREIER AFFE UNTER MENSCHEN SEIN, wer möchte das nicht? Doch das Elektrische blendet und der Wohnkasten ist klein und ohne Auslauf zu den Früchte tragenden Bäumen. Das Bananenmuss, mit dem man ihn stopft, bereitet ihm Übel. Drückte man ihm nicht immer wieder den Stift in die Klaue, hielte er ihn nicht. Die Fußstapfen Spuren, Kunde, Hinweis, lesbar für die ihm Folgenden seiner Art, seinen Weg zu meiden. Ängstlich schaut er seinen Betrachter. Sein Schreiben verriet, freie Affen unter Menschen gibt es nicht. Vielleicht kann er aus seiner Gefangenschaft Kraft schöpfen, aussteigen ohne Blick zurück aufsteigen. Was bleibt, wenn seine Gestalt aus dem Gitter wächst? All die Risse, Wunden, Geschwüre, Erinnerung an frühere Gestalt. Platzen die Farben, platzen die Narben und kein Gesicht mehr, nur Fell und Knochen. Im Hervorkommen zieht sich sein Wesen zurück, entsteht oder vergeht, im nicht mehr und noch nicht. Nicht Mensch noch Tier. Nicht dort nicht hier. Mensch sieht es nicht. Tier frisst es nicht. Zwischenwesen aus sich heraus Gestalt, Gebilde, das die Farben flieht, zwischen allem hervor, hernieder, heraus, hinein, bringt es sich ein, verkehrt oder findet sich, fließt auseinander im zusammen sein. Alles in einem und doch nichts. Es kann nur werden an sich und ahnt es nicht. IM NACHTEIL, DER VON VORTEIL IST. Fremd zieht sich etwas hervor, leuchtet auf, sammelt sich aus dem Raum, verflüchtigt sich, drückt sich aus, flieht zurück aus Sein und Sinn, ist alles da und ist doch hin. Zieht es sich zurück, kommt es hervor, macht sich aus sich heraus. Im Entstehen quillt aus dem Lehm hervor EIN ERSTES MENSCH SEIN. Unfertig zwischen allem, aufsteigend gefallen, gefallen aufgestiegen, wie jener Engel aus dem Grauem sich selbst formt, aus einer Masse in ureigener Erschöpfung. Ein Grauen im Grau, das die Farben der Welt ins Gesicht bekommt. Als es sich erkennt, gibt es sich einen Namen aus dem Nichts, woraus es sein soll, aus sich selbst Ansicht, um etwas zu sein, statt zu sein, was es ist. Es sieht, hört, riecht, schmeckt, fühlt und weiß nicht, was es wird. Uneins mit sich unzufrieden, unbefreit, sucht es außerhalb von sich. Die Natur braucht es nicht. Es braucht die Natur. Nicht mal das Grau braucht es. Gewiss ist es seiner nicht, im Grauen vor sich selbst. Aus Grau wird Blau, leuchtend, lichtes, strahlend, satt. Heitere Ruhe, sanfte Weise, helle Weite, im Ausgleich sind SEHENDE. Eine Berührung aus Licht, eine Bewegung in ihm, kann das Sehen des Eigenlichts nach sich ziehen. Das Sehen sich selbst gegenüber, schaut heraus in den Raum, vom Licht ins Licht. Morgens beim Waschen, im Wasserdampf, am Spiegel verwischt er mit der Hand sein Gesicht. In einer Berührung des Lichts, sieht er sich und sieht sich beim Sehen, sieht sich und wie es ist. Er sieht Licht. Licht sieht nicht. Er und sein Augenlicht. Sie und ihr Angesicht. Er sieht nichts, es ist nichts. Sie sieht sich mittags im anderen Ich. Sieht er sie, sieht er nicht, wie sie ist. Ist sie nicht bei ihm, erscheint sie ihm als eine andere, nur seiner Ansicht nach und versinkt in einem Bild von ihr. Als sie aus seinem Blick verschwand, tauchte sie auf. Im Nachmittag erkennt sich ihr Gesicht im Spiegel nicht und hat sich doch zu sich umgedreht. Schaut es hin, schaut etwas heraus. Mag sich sehen, will nicht so sein. Aus der Nacht kommt er ihr entgegen. Sie lässt sich nicht sehen und zeigt es ihm nicht und bleibt dunkel für ihn und lässt ihn da, wo er ist, bekommt er sie nicht. Ließe er sie so, wie sie ist, ließ sie ihn näher an sich. Sie steht ihm gegenüber und sieht aus dem Dunkel in seinen TUNNEL AUS LICHT. Da bewegt er sich, irrt an ihr vorbei, denn er sieht sie nicht. Vielleicht sucht er sie oder sucht er nur sich? Sie sucht ihn nicht. Sie sieht ihn und weiß, wo er ist. Sein Licht ist ihr Tunnel. Am Ende des Tunnels ist Licht. Aber im Dunkel lebt es sich. Immer auf dem gleichen Stuhl, SITZENDE schauen und schauen sich, sich nicht an, wie Frau nur bei sich sein kann. Sein und nicht sein im Raum, heraus wollen, drin bleiben, für sich, außer sich, mitschwingen oder ausbrechen, sitzen bleiben oder aufstehen und gehen wohin. Eine Haltlose nicht aufzuhalten, ins Nicht zu sinken um aufzusteigen, aufgestiegen oben bleiben, in der Tiefe schwerelos versunken im blauen Licht. Schauend ins Nahe die Wartende. Ihm entgegen blicken, entgegen sein, begegnen, wie wird das im Blaublauerbloe? Betört, bewegt von Laut, Klang, Schall, um summt vom Sound, unter Kopfhörern, im Hämmern der Stadt auf Empfang, die Hörende vielleicht zuhörend, im grünen Einklang. Es hat sich leicht angefühlt, abgekühlt braucht es manchmal einen frischen Hauch. Sorglos die Traurige mit leeren Händen, sich aufhelfen ins Türkis. War er ihr Zweisein, nun ihr Alleinsein, verließ sie ihn, um sich zu verlieren, in diesem Augenblick hat sie sich verlassen, die Pechsträhne, die Händen im Schoss verzehren sich nach ihm, im endlos fahlen Gelb. Die Verwirrte allein, an ihren Knien sich haltend, kurz vor dem Fall, glimmt, rußt, qualmt ihr der Schädel, vor dem ins Irre gleiten, ins NebelBlauRauchGrau. Was für eine Welt, die Schöpfung öffnet sich ihr, die Aufsteigende sieht ins Offene, in jener Stunde erleuchtet, weitsichtig, ausblickend ins freie, weite, tiefe, im lichten Blau sorgsam. Der Umsichtige betrachtet die Sitzenden und erkennt, jede von ihnen ist etwas Besonderes. Um in ihrer Nähe zu sein, braucht es Abstand, den er neben ihnen stehend wahrt, die um sich schauen, allemal ansehnlich, ihn tief bewegen, manchmal verwirren, bitter süß, traurig froh, erhellend klar, blicken ins grünheller werdend vielfarbig. Schwarz auf weiß, mit der Figur beginnen, der Mensch allein für sich, mit sich, an sich, sich gegenüber, so wie er ist. Erinnert an eine Situation, ein davor und danach, den Wandel im Augenblick der Bewegung, die Entwicklung der Umstände. In Gestalt unfest, von sich abfallen, von unten herauf, woher alles kommt, aus dem tiefen Dunkel, aufsteigen zum Hell, Licht zu empfangen, sich zu entfalten. Gesicht, Geste, Geist zu beschreiben, was keiner Beschreibung bedarf, zu zeigen, was nicht gezeigt werden kann, was Ungestalt, Urgestalt ist, gestalten, das sich von sich aus nicht Zeigende, zu zeigen in einem Entwurf. Wieder und wieder der Mensch, seine Bewegung im Raum, sein im Licht sein. Im Augenblick, IN DER UNSCHÄRFE DER BEGEGNUNG DEUTLICH im Ungenau. Gesehen, bedacht, erfahren, vereint in der Farbe, im offenen, engen, weiten, flachen, freien, hohen, tiefen Raum, je nachdem, wohin er sich begibt, findet er sein Wesen in der Andeutung, für sich und seinen Betrachter doppelsichtig, immer Leben, Lust, Leidenschaft, Liebe, Leid, anmutig, schrecklich, schön. Ein Schrei kann von überall her kommen, wird aber nicht allerorts gehört. Das Licht kann ringsum sein, wird aber nicht allseits gesehen. Alles kommt aus dem Licht, wird ins Licht gehoben, durchlichtet, im Licht aufgehoben. Licht wird sich allein keine Geschichte geben, zeigt in Malerei das Unscheinbare, Flüchtige, den Moment. Bleibt wenig ausgemalt, gibt es Raum hineinzusehen, haben Augen die Freiheit der Bewegung, Ansicht und Aussicht wirken zulassen. Dem Sehen scheint nichts zu entgehen. Es schaut sich um und nimmt wahr, schaut hin und schaut hinein und schaut heraus und bringt es hervor. Das Licht ist immer schon da. Farbklang, Grundton, Bildsprache, Sprachbild, Schriftbilder finden. Gleich gegenüber der Tür der Zeichentisch am wandbreiten Fenster zur Spree hin. Daneben in gleicher Höhe ein Schrank mit Schubfächern auf den Skizzenbücher liegen. Rechts von ihm beginnt die hohe und breite, immer wieder neu geweißte Malwand. Vor ihr der leere Innenraum, die Freifläche, der Aktionsraum der Malerin, in dem sie sich, von Dingen ungehindert, malend und das Gemalte immer wieder betrachtend, frei bewegen kann. Gegenüber der Malwand ein Stuhl und ein Hocker, die Beine darauf zu legen, auf dem sich beim Betrachten des Geschaffenen, auch mal etwas Ruhe finden lässt. Vom Stuhlrücken aus an der Wand einige kleinere Formate hängend, meist Vorstudien, Skizzen und ein, zwei von den großen Formaten, mit ihrem Motiv zum Raum hin gestellt. Vielleicht um ihr vor dem Unfertigem den Rücken zu stärken, sie zu erinnern, dass Gestalt annehmen kann, was einem vorschwebt und es Geduld und Ruhe, Konzentration auf das Handwerk immer wieder braucht. (Würde einer ihr beim Sehen zusehen, ihrem kritischen Blick folgen, der Ausführung, Formulierung, Gestalt und Wirkung prüft, würde er ahnen, was ihr der Malprozess abverlangt, welche Hingebung nötig ist.) Die Staffelei gegenüber der Malwand, vielleicht vermacht von einem älteren Kollegen, der an ihr nicht mehr zu stehen vermag und sie in talentierte Hände weiter geben mochte, wohl seltener benutzt als zuvor. Links neben dem Fenster in einer Nische ein Waschbecken. An seiner Seite, auf dem Rand des großen Tisches gestellt, etwas zur Tee- und Kaffebereitung, Schalen, Tassen, Teller, Löffel, ein Messer zum Obstschneiden und so weiter. Links und rechts neben der Tür, mit dem Motiv zur Wand gelehnt, hintereinander gestellte Bilder. Gleich hinter der Tür eingangs vor der Freifläche, dem Aktionsraum, der Materialtisch, auf ihm liegend vielerlei Farbtuben und Pinsel jeder Art, neben den leeren Espressodosen, in denen sich kleinere Farbmengen anrühren lassen. Unter dem Tisch ein Hocker an dem breite Pinsel hängen, zur Farbmischung Behälter aus Kunststoff verschiedener Größe ineinander gestellt, geordnet neben einander liegend Farbtuben, ein Vorrat, von beträchtlicher Menge, den es braucht, um ungestört an der Arbeit sein zu können, Spraydosen, Papierrollen und so weiter. Wasserflaschen um in trockengiftiger Farbluft seinen Durst zu stillen, mit denen auch mal, reichen die am Boden liegenden Ziegelsteine nichts aus, frisch grundierte Leinwände an den Ecken beschwert werden, damit die Feuchtigkeit den Holzrahmen nicht verzieht. An den Tisch gelehnt, liegend eine Leiter aus Aluminium, um auf die Höhe der Ablage über der Tür zu kommen, auf dem Packpapier und Folien zum Schutz der Gemälde liegen, die auf Transport gehen. Das alles von der Tür aus und doch nicht alles gesehen, versucht zu beschreiben das ATELIER.