Schreib. Werkstatt. Theater.

AUTOR. SPRACHE.

Was sucht ein Autor im Theater? Was erzählt seine Sprache? Was vermag das Wort, seine Stimme? Möchte sie sprechen lernen? Will sie gesprochen sein?

Was ist das für Arbeit, im Theater zu schreiben? Möchte das Wort dem Leben einen Sinn geben?

Ein Autor sitzt und steht oder geht, bei den Proben im Theater, tagewochenmonatelang. Er sagt was und sagt nichts. Er schreibt und stellt das Aufgeschriebene, dem Prozess Theaterarbeit zur Verfügung.

Er begreift seine Arbeit vielleicht als Verständigung durch einen Dritten, die Beschreibung eines Themas in seinem Raum.

Woher kommt Sprache im Theater? Der Mensch ist mehr als seine Worte sind.

Der Autor kann auf seine Art zuhören, mit seiner Art sehen, was geschieht und Ruhe für alle haben. Zeit muss man sich schon lassen. Da sein.

Er sieht und schreibt und hört und erlebt und schreibt, Wortspiele, Satzfragmente, Textflächen. Auf den Proben unmittelbar im Prozess, der Schreiber schnell, sieht manchmal mit den Ohren.

Zwischen den Proben dann, in der zweiten Schicht des Tages oder der Vierten nach der zweiten Probe abends, wird an der Schreibmaschine das Gesehene gesichtet, nacherlebt, bearbeitet, komprimiert immer mehr, oder auseinander genommen und neu zusammen gesetzt. Manches kommt hinzu, anderes fällt heraus, wird wieder aufgenommen, verworfen.

Gegen den Verlust der Sprache im Theater, am Rande, bis der Klang wiederkehrt.

Irgendwie fängt sie an und geht an ihre Grenzen dort.

Bewegung, Situation, Vorgang, Handlung, Rede, Gegenrede, Rede und so weiter Satz für Satz, Szene für Szene, wird ein Rahmen gebaut.

Hat die Szene sich noch nicht gefunden, wird sie weiter ausprobiert. Ist sie konzentriert, kann sie geprobt werden.

Werden die Worte sich öffnen? Wird der Satz gestische Kraft für die Szene, das Spiel zeigen?

Viele Schauspieler, viele Regisseure, viele mal viele Mitautoren in einem Raum.

Jeder hat seine Sprache, sein Temperament, Charakter und seine Eitelkeiten. Alles redet und probiert erst einmal durcheinander. Das ist alles wichtig.

Da werden dem Text die Worte im Munde umgedreht. Ruhig bleiben, behalte die Klarheit. Wir nähern uns an. Das musst du aushalten.

Die Schauspieler müssen ihre Arbeit und seinen Anteil daran kennen lernen. Und immer wieder wird probiert.

Was wird hinter dem Meer sein?

Ein Autor ist für das Theater einer, der Vielen den Raum lässt. Er wird sich ganz seiner Arbeit, für ihre Geschichte geben.

Sie schreiben mit ihm. Er schreibt mit ihnen. Der Autor als Medium durch das ein Thema hindurch geht.

Eine innere Stimme des Theaters ist der Autor. Arbeit im Raum der Bühne bleibt Schule der Theaterarbeit. Sein langer Atem ist der Text.

Seine wichtigste Arbeit ist das Schaffen von Freiräumen. Freiräume für ein Thema schaffen und gleichzeitig an ihnen festhalten.

Das Schreiben zeichnet auf: Laute, Worte, Sätze, Haltungen, Situationen, Spiele, Monologe, Dialoge, Textflächen, Räume, Szenen. Neben dem Theatertext in seinen Fassungen entsteht ein Wegebuch. Die Bewegung zu einem Thema hin, ist das Stück.

Das Wegebuch ist Probe. Jeder Mitarbeiter bekommt es, tagtäglich neue Seiten, Texte einer Annäherung.

Wer möchte, kann lesend erleben, auf welchem Weg er sich gestern und noch Tage zuvor befunden hat. Was er getan und wie es gesehen und was daraus wurde.

Das Wegebuch, seine Worte sind Spiegel der Proben. Sind Worte, ist Sprache eine gemeinsame Möglichkeit.

KAMMER. SPIELE.

Kammer zum Beispiel ist ein zur Verfügung stehender Arbeitsraum. Spiel ein intensives Erleben.

Ich nehme einen Menschen wahr und schreibe auf ihn, mit ihm einen Text. Er wächst und sein Sprachgestus mit ihm, in die Rolle hinein.

Spricht er mit unserer Stimme, findet Unterschiedliches eine gemeinsame Bahn.

So sieht eine Probe aus:

Variante a: Ein Text dringt in einen Schauspieler ein und formiert, konzentriert seine Kräfte im Spiel.

Möglichkeit b: Der Schauspieler gibt einen Versuch zu Thema. Der Autor legt ihn mit Worten aus, die aus seinem Spiel sprechen.

Versuch c: Es wird gesprochen und geschrieben und gespielt, und gespielt und geschrieben und gesprochen, während der Probe, der Text der Autoren im Dialog ständig eingebracht.

Version d: Ein Spiel ohne Worte wird mit Worten gezeichnet, was geschieht aufgeschrieben.

Dem Spiel folgt eine Spielassoziation. Der Textimprovisation ein Text.

Das kann eine Symbiose zweier Strukturen, der des Spielers und was im Text angelegt ist, als Spielzentrum ergeben. In der Mitte trifft sich beides gleichzeitig ganz.

Die Schauspieler sprechen mit den Worten der Autoren. Ideen erblicken das Licht der Probe, Varianten fallen unter den Tisch.

Dramatische Sprache kommt und geht nach innen. Das Spiel zeigt sich im äußeren Raum. Wir finden die Proben als Mittler.

Sie lässt den Schauspieler in der Konzentration tiefer blicken, damit er mehr nach außen bringt.

Eine Aufgabe, die Eitelkeit des Menschen und des sich Darstellenden, zugunsten eines Menschseins, mit der er seine Rolle füllt, abbauen. So wird der Mensch die Rolle selbst.

Dem Sein kann sich der Mensch nur durch seinen Instinkt, die Intuition, die Seele nähern. Der Mensch hört die Welt mit dem Körper und sieht sie, in dem er sie zeigt.

So kann gesprochen werden. Das Äußere und Innere findet sich im Einheitlichen wieder.

Alle Mittel einer Geschichte; der Raum, das Spiel, die Sprache, stimmen sich während der Proben ein und an ein gemeinsames Lied zu singen. Das Ritual einer Gruppe, Konzentration gemeinsame Tendenz, Entwicklung zum Thema hin.

Was kann man über das Leben wirklich sagen? Wir gehen in seine Bilder, um hinaus zu kommen.

Der Mensch hat im Theater keine Zukunft. Er hat nur seine Gegenwart. Gegen das Flüchtige zum Grunde gehen oder zugrunde zu gehen? Im Vergleich zu sein, das ist sein Vermögen und Aufgabe.

Einen Ton in die Welt geben, bis seine Sonne verlischt.

Manchmal sind Proben poetisch. Poesie ist die Muttersprache aller Menschen. Dort weiter beginnen.

Die Form durch eine andere Qualität ersetzen.

1995/2012