Im Schatten der Pfalz

Szenen aus dem Mittelalter.

Die Handlung:

Chor aller Mitwirkenden über die Wahrnehmung von Geschichte.
Zwei Wachmänner gehen im Wehrgang der Pfalz hin und her. Im Innenhof improvisiert ein Sänger über gefallene Krieger vor sich hin. König Hernot fordert ihn auf einen Gesang, Leben und Lehre des Heiland preisend, für den Hoftag zu dichten. Ein Ackersmann wird auf dem Weg zur Pfalz von Dunko vom Weg gedrängt. Im Kreuzgang berät sich Priester Widumar mit dem Kriegsmann Gerwig über die Missionierung der Heiden. Ortwin berichtet Hernot von seinem Ritt durch fremde Wälder, seiner Ansicht der Kultstätte und vom Kampf bei Riedegost. Er übergibt Hernot eine schwere goldene Halskette aus dem Tempelschatz des Radegast. In seiner Zelle philosophiert Jaro, Sohn des Großfürsten der Meckelburg und seit Jahren als Geisel auf der Pfalz gehalten, über sein Nirgendwo und die Zukunft seiner Heimat angesichts der heraufziehenden christlichen Welt. In Vorbereitung des Hoftags empfängt und befragt Hernot Jakub, einen Kaufmann aus Arabien, der Handel mit den ungleichen Völkern treibt, nach seinen Erfahrungen in den slawischen Gebieten. Jakub übergibt das Schwert des Schmids Dragos dem König als Gastgeschenk.
An einer Kreuzung läuft ein Handwerker dem Ackersmann über den Weg. Am Hoftag huldigen die christlichen Würden- und Amtsträger ihrem König. Bolusch, ein slawischer Großfürst wird in den Saal geleitet. Dann trägt Saxan aus seiner neuen Dichtung ‚Heiland’ vor. Jakub beobachtet die Szene. Weil er aus dem Sumpf errettet war und als Zeichen seiner Gläubigkeit, stiftet König Hernot ein Kloster. Widumar streift der Königstochter Runa den Schleier einer Nonne über. Sie soll die erste Gottesbraut des neuen Klosters sein. Weltliche und christliche Macht wirken auf den slawischen Großfürsten Bolusch ein, sich dem christlichen Glauben zuzuneigen. Der slawische Gast hat nichts gegen den christlichen Gott, solange man ihm seine Götter und sein Land lässt. Zu Ehren der Anwesenden wird ein Festmahl gegeben. Die Speisen und der Met die Bolusch gebracht werden, sind vergiftet. Die Hofgesellschaft sieht seinem Sterben zu. Der tote Bolusch wird in die Zelle Jaros getragen. König Hernot legt Markgrafschaften für die östlichen Gebiete fest und ernennt Gerwig und Ortwin zu Legaten für die von Slawen besiedelten Gebiete. Der bei der Ernennung der Legaten übergangene Billwich verlässt unauffällig den Hoftag und reitet aus der Pfalz. Angesichts des toten Großfürsten erkennt Jaro die Oberherrschaft Hernots an und unterwirft sich scheinbar dem christlichen Glauben. Ein Engel streift ihm als Taufgewand das himmlische Lichtkleid über. Hernot entlässt Jaro aus der Geiselhaft und macht ihn zum ‚Slawenkönig’. Er soll auf der Meckelburg sein Erbe antreten, den heidnischen Glauben abschaffen und eine christliche Metropole entstehen lassen. Widumar macht Jaro in seiner Chronik zum Untertanen der christlichen Kirche. Hernot jedoch fürchtet ein doppeltes Spiel und die wachsende Macht eines Slawenkönigs.
Im Wald bei Riedegost stehen sich plötzlich der jagende Drago und der zu den ‚Wölfen’ reitende Billwich gegenüber. Sich unbekannt und ihre Absichten voreinander verbergend, schlagen sie aufeinander ein. Der Wortwechsel im Verlauf des Waffenstreits lässt sie einander erkennen und bringt sie sich näher. Zusammen ziehen sie nach Riedegost. Billwich hört Radegast sprechen und opfert ihm sein Schwert. Auf den Gerichtsplatz wird Billwich durch den Oberpriester Milo befragt. Als Beweis für seine Absichten soll er die Pläne des Hernot verraten. Billwich berichtet von der Ermordung des slawischen Großfürsten und der Ernennung der Legaten. Drago wird zum Kampfesführer erwählt. Der in den Verhältnissen der Pfalz kenntnisreiche Billwich, stellt sich seiner Streitmacht zur Verfügung.
Tumu, der einst seinen Neffen ermordete, um die Burgmacht an sich zu reißen, ist an den Folgen einer alten Stichwunde verstorben. Zwei Kindersöhne, Vlast und Bolo bleiben zurück. Dunja, die Mutter des verstorbenen Fürsten, übernimmt ihre Erziehung. Mira, die Mutter der Fürstensöhne, soll die Burghoheit inne haben, bis Vlast die Macht selbst übernehmen kann. Um ihre Söhne vor einem Mordanschlag rachgieriger heidnischer Fürsten schützen zu können, entsendet sie unauffällig einen Boten zu Hernot und bietet die Burg seiner Oberherrschaft an.
Dunko erhält von Hernot das Schwert des Drago. Sein Trupp soll Ado und Runa beschützen, die als Zeichen seiner Gunst, die goldene Kette aus dem Tempelschatz des Radegast, Mira überbringen sollen.
Um Dunjas Einfluss zu brechen, zieht Mira Gom und Tunn, zwei Begünstigte Dunjas, in ihr Vertrauen. Ihnen soll die goldene Kette gehören, wenn sie Dunjas Einfluss brechen. Gom und Tunn wechseln die Gefolgschaft und erdrosseln Dunja ihre einstige Gönnerin mit der Kette des Radegast. Dunko entdeckt auf der Burg Spuren seiner vor Jahren durch Ortwins Reiter entführte Mutter Milana.
Die ‚Wölfe’ ziehen mit Drago gegen die abtrünnige Burg und besetzen sie. Da sich der Groll der Heiden an der Unduldsamkeit des christlichen Gottes gegenüber anderen Göttern entzündet, wird dem gefangenen Missionar Ado, bevor er aus der Burg vertrieben wird, das Kreuz in die Kopfhaut geschnitten. Drago entdeckt den sich in der Burg versteckt haltenen Dunko. Drago und Dunko im Zweikampf. Drago scheint durch sein eigenes Schwert zu fallen. Milana muss mit ansehen, wie die Söhne gegeneinander kämpfen. Drago macht Dunko nieder und nimmt das Schwert Dunkos an sich. Milana versucht unentdeckt zu bleiben. Da Mira weiß welche Strafe ihr blüht, versucht sie die Schuld am Tode Dunjas von sich abzuwenden. Die Mörder Gom und Tunn zeigen das Mordwerkzeug, die von Mira erhaltene goldene Kette. Es wird gerichtet. Wanda, die Gefährtin Dragos, soll sich um die Erziehung beider Fürstensöhne kümmern.
Runa kann sich während des Kampfes um die Brennaburg in den Wald retten und irrt, von heidnischen Naturgeistern beobachtet und verfolgt, durch den Wald. Erschöpft versucht sie unter einem Baum, Schutz zu suchen. Antek sitzt auf seinem Honigbaum. Er beobachtet die Nonne, springt ihr vor die Füße. Das Spiel der Liebe beginnt. Beide treffen im Weg durch den Wald auf den sterbenden Ado.
In Kunde der heidnischen Zurückgewinnung der Brennaburg lässt Hernot, Ortwin eine Legion aus Verbrechern aufstellen. Jene sollen sich im Kampf ihre Freiheit erringen können, in dem sie mit dem Schwert die Botschaft des Herrn verbreiten. Jaro fordert das gegebene Wort Hernots ein und will Utta zur Frau haben. Hernot will einen slawischen ‚Hund’ nicht in seiner Verwandtschaft. Verbittert erinnert sich Jaro seiner Herkunft, schwört Rache und schließt sich dem slawischen Stammesverbund der ‚Wölfe’ an.
Gerwigs Krieger kommen mit Ortwins Legion auf freiem Feld zusammen. Hernot macht Widumar zum Bischof und ruft zur letzten Schlacht der Christianisierung auf. Zwischen Reda und Pfalz, auf freiem Feld sich gegenüber stehend, beschimpfen sich slawische Kämpfer und christliche Krieger, bevor sie aufeinander losgehen und sich gegenseitig umbringen. Hernots Macht schlägt den slawischen Stammesverbund. Die Gefangenen werden auf freien Feld enthauptet. Billwich, der Berater Dragos, wird geblendet und auf freien Feld allein gelassen. Ortwin entdeckt auf dem Schlachtfeld seine tote Schwester Elsa / Wanda. Der Engel begegnet dem brennenden Radegast. Antek und Runa fliehen gemeinsam in die Zukunft. Widumar schreibt in seine Chronik über die Siege König Hernots, die Fortschritte der Missionierung, ihren Wegbereiter Ado, die vergebliche Suche nach der Königstochter, seine Eindrücke von Riedegost, dass er selbst nie zu Gesicht bekommen und nur aus Berichten kennt und des Kaisers Krönung.
Der Toten Erscheinungen. Das neue Europa. Die Angst vor der Welt. Über dem Todesfeld schwebt ein (Rache-) Engel auf. Abgesang.


Den Text für das Schauspiel können Sie unter der in der Rubrik ‚Rechte‘ genannten Anschrift erhalten.