Fünf Akt Studie

34. sitzung
an einem sich während der proben / vorstellungen weiter schreibenden text
zu shakespeares ’sturm‘.

– beispiel einer produktionsbegleitenden schreibarbeit.
der text entstand während der arbeit mit dem kammertheater im schauspielhaus neubrandenburg 1997/98.

der vorhang geht zu
das spiel beginnt
ein mann
fliegen im wind

fürchtet euch nicht
der herr ist mein hirte
hinter der bühne hängt der erzähler
vor der bühne

bühnenarbeiter schließen die notausgänge
in den leeren raum wird sturm gebaut
im halbdunkel alles was nicht zu sehen ist
schauspieler in bedachter eile

kontrolliert in panik ausbrechen
egal was passiert
nicht überreagieren
der raum wird eingenebelt
zu ihrer sicherheit
im notfall nicht über die bühne rennen

ein spieler sitzt neben seinem
zuschauer und autor durch spielräume geteilt

eine welle hebt an
das wetter die flut der sturm

alles dunkel nur stimmen
seile schlagen an
knarren im gebälk
kettengerassel
die bohlen spannen
stahl splittert
es tropft von der decke
glocke hinter
wind welle böe
kapitän sturm schreie
an der steilküste

prospero hat ein buch gelesen
und schnitzt an seiner sehnsucht herum

im dunkel das licht von unter deck
die wasser über einen hoch
schlagen am grund des schiffes

trompeten zwei aus dem schatten des lichts
ein mädchen aus dem nebel steigt
ein schiff aus dem meer
schwarzer tag miranda ohne mutter
prospero bringt eine idee vom ufer mit
das zauberhemd der kindheit abstreifend
in den händen das ei des kolumbus
gonzalo hängt in den seilen

hinterm vorhang vor ihm fallen worte
aus einem text tropfen menschen
von unten herauf stimmen von oben herunter
schauspieler und zuschauer ein paar

unterm deckengemälde blicke
oben der goldene reiter
prospero flieht den salon

der teppich ist ausgerollt
miranda rennt am ufer hin und her
die wüste des meeres ein salon
die insel ein theaterverein
gibt sich die ehre
sturm zu spielen

männer tanzen durch den salon
zwischen den topfpflanzen
frauen mit tätowierten bärten
eisen im fleisch aller gesichter
aus dem rauch steigt ariel empor
verstört nicht euren sinn mit untersuchung

umsatz das maß
der geschäftsmeile im kaufhaus
angezogen männer frauen bemalt
im theater bröckelt die farbe

der eingeborene könig läßt sich
von der rute des eindringlings schlagen
caliban legt sich zu seiner mutter

sycorax steht auf
sycorax fällt um
wiederbelebungsversuche an sycorax

prospero zeigt seine instrumente
wellen in einem schöpflöffel erregen
tropfen für tropfen
der salon füllt sich
prospero erntet dunkle saat

biografie ein spiel
der landstreicher als prospero
auf den shakespeare gekommen
eine sängerin löst sich aus ariel
prinzessin m. geht noch zur schule
den pinscher an der leine
ein gitarrist als liebhaber
für seine rolle bekommt der winkeladvokat einen buckel
der kleine trompeter in gonzalos hosen
getrunken wird immer
die kellner geben das schiffspersonal
frauen vom land sind zugelassen
in aller unschuld
eine hat migräne
ein paar gibt sich als könig und königin
der sohn will ihr prinz nicht sein
im spiel seine rollen finden
spaß muß es machen sonst machts keinen spaß

wie stellt sich der weiße mann einen eingeborenen vor
der böse frisör tobt seine rolle aus
miranda setzt sich auf den mantel des vaters

die instrumente sind verstimmt

wie scheitern wir scheitern wir scheitern
die höll ist leer denn alle wollen könig sein

ariel zieht sich die jacke an

ein schiff wird kommen
miranda spricht von der steigenden see
prospero erzählt sich

einen punkt setzen hinter das nichts
es hilft dem tag nur daß er endet

direkt am strand die hölle
prinz ferdinand springt als erster ins wasser
ariel will frei von seinem befreier sein
kaliban spricht wie sein herr
die pest zeigt mit dem finger nach der pest
sycorax stöhnt unter der erde
auf seltsame weise die harfe klingt

ariel öffnet seine augen

ich sah mit denen die ich
leiden sah miranda
schon mancher gute schoß trug schlechte söhne

ich hätt das meer versenkt im erdengrund
prospero zieht seinen zaubermantel aus dem schlamm
kaliban hats mit dem wind
immer an die erschöpfung denken
der anweisung wird folge geleistet
prospero wirft kaliban streichhölzer zu
rauchen gemeinsame beschäftigung aller
inseln schwimmen hin und her

der rauch spielt mit dem licht
ariel verwandelt sich in ariel
ferdinand folgt süßem klang

der könig mein vater ist tot
es lebe der könig

miranda steigt prospero hinterher
der vater kann den prinzen
nicht mit den augen seiner tochter sehen

ariel kniet vor ariel

warum haben sie uns nicht gleich umgebracht
ferdinand wirft seinen dolch nach prospero
alles trinkt die quelle versiegt

die dunklen augen der miranda
so ohne gleichen
sumpfgeboren tobt in prosperos mitte kaliban
kann mehr als ein gefängnis sein

willkommen im club
bürger aus bedeutenden kreisen
wissen was ein mensch ist
äquatorfleisch

sycorax wirft knallerbsen nach ariel
könig alonso weicht nicht von seiner schönheit
prospero hält seiner tochter die augen zu

niemand möchte jemand sein
wir spielen jedes komma
und streichen jeden satz

das wort an der nase herumführen
nicht aufgehoben im konflikt
wird nacheinander gesehen

aus den hüllen heraustretend
zurück in die hüllen

wir üben gefühle aus
zwei rauchende sprechen über den nahenden tod ihrer obristen
das autogrammfoto des kanibalen am spielgel der wirtsfrau
könig alonso spricht den text seiner untergebenen mit
feuerschlucker kaliban an sycorax´ brüsten
die lotterie zu wohltätigen zwecken wird ausgerufen
kein untertan darf erniedrigt werden

der kellner kehrt asche unter den tisch
gonzalo legt sich auf die bassistin
könig alonso bekommt von seiner harfe einen korb
den damen denen nichts zu tun bleibt
bringt die requistite
sekt auf die bühne

hat die königin von neapel eine krone
alle elemente sind nicht beisammen

wo spielen wir hin
prospero lümmelt im kreis seiner zitate

der sprung auf den teppich
stimmen im zwielicht
gonzalo bis in die zehenspitzen

ein tanzlehrer muß her
bis die worte schlauer sind
keiner will ein komma hergeben

in vier ebenen
sturm salon sinnflut stadt
stürzen menschen umher

warum trennen was zusammengehört
sollten wir nochmals den text lesen
welche ebene flieht
die umwälzungen verschweigen uns nicht

welcher grund fehlt den schichten
wir haben die struktur gelernt
leben läßt sich nicht halten
nicht ein einziger tag

ihn immer wieder probieren
der sturm eine insel in stürmen uferlos

nicht vom himmel fiel der erwartete gott
steigt aus einem schiff
das meer versinkt im meer

der könig weicht nicht von ihren beinen
hinterm schanktisch wird ein hut ausprobiert
der kellner greift in den ausschnitt der wirtsfrau
auf dem kopf des kellners zersplittert eine flasche
die hexe stopft den salon mit ihrer bowle voll
ein tablett fächelt alonso luft zu
brav sammelt der kellner scherben ein

ein könig braucht etwas wogegen er sein kann
die männer den dolch an der seite
reden nach der hackordnung
egal was passiert
die szene darf nicht klumpen
es muß doch mal klappen

der eingeborene für den zeit nichts ist
prospero wild um kaliban herum
stephano schwimmt auf einem faß an land
kaliban bleibt als insel ein klavierschemel
sycorax schminkt miranda zur hexe
sebastian begießt gonzalo mit wasser
der geist wäscht sich trocken rein
antonio stellt sich ins licht
geh suche deinen könig

prospero raucht von oben herunter
der strenge könig hält die macht in sich
mein adler ist mein schatten
utopien der herrscher
ich wollt im lande alles anders machen
gonzalo stottert seine vision zum himmel
zwischen den irrenden hinundher
der gute rat selbst irrend dann
sein goldenes zeitalter ein unbestimmter satz

philosophisches aerobic
den könig muß immer ein anderer spielen
die schauspieler probieren seine krone aus
doch der kopf ist zu klein
abgänge können wir nicht genug machen

prospero schläft mit seinen geistern
spiel einer sich selbst organisierenden gruppe
bildumrisse

miranda angelt sich früchte aus der bowle
schatten kalibans zwischen prosperos beinen
stephano dreht sich ein stück rinde zur flasche
antonio die fäuste in den taschen
verführt sebastian zur krone

ariel schminkt sich die augenränder schwarz

über dem bauch gonzalos der mond
kaliban dem prospero unterworfen
unterwirft sich dem wein
für alle sorgt natur in gleicher weise

eine stunde vorspiel mindestens
prospero spielt mit mirandas liebe
alonso verkauft die tochter nach afrika

theater das kein theater ist
spielende menschen kinder der erde

der sturm auf dem teppich
die müdigkeit hält sich an der insel fest
wach sein ist alles
auf einer stuhllehne balanciert das regiebuch
heraus in eure schatten

alles schläft
auf dem stuhl der phantasie
jeder sitzt in seiner
hinterm stuhl das meer

die kostümbildnerin schreibt
regie übermalt figurinen
farbe reflexion der struktur

wollt ihr ewig leben
zwischen den stühlen ariel

ein großes aquarium
menschen schwimmen im raum
tauchen unter tauchen auf
je nachdem wohin die sehnsucht geht
prospero geht auf und ab
macht vor indem er es ihnen nachmacht

der mörder spricht von hoffnung
blutige gedanken antonio
watet im schlamm seiner flasche
jeder könig steht in der mitte
antonio der seinen bruder stürzte
braucht ein blutbad zur seite
sebastian legt sich gonzalo für sein schwert zurecht
schluß mit lustig
doch kein blut fließt

gesänge der ariel stürzen die schläfer auf
antonio denkt hinter sich die meute
ich spiele hier den könig der könig bin ich
prospero nimmt einen schluck wein
vielleicht ist glück
keine vorstellung von glück zu haben

die wahrheit ermangelt etwas der milde
das handtuch wird in den ring geworfen
wir streichen das drama wir spielen salon

verspielte zwischenräume

vom schwert bedroht ändert der weise seine haltung
gonzalos blick in den himmel
sagt sie suchen uns schon

erdgas steigt im meer auf
bei den bermudas steht die zeit still
sebastian nimmt seine perrücke ab
gonzalo wird auf einem stuhl an die bar getragen
eine taube aus papier steigt auf

kaliban kriecht zu seinem erdgeist
der salon bebt
sycorax bringt ihr bowleglas in sicherheit
der könig küßt den fuß seiner geliebten
trinculo nimmt sich kaliban zur brust
die flasche im ausgang des eingeborenen
stephano weiß sich zu unterrichten
die flasche bedarf eines silbernen tabletts
kaliban nimmt seinen ersten schluck feuerwasser
die vision wird zur utopie

nach dem beischlaf stößt die hexe sebastian vom sofa
kalibans perücke fliegt durch den salon
stephano reitet auf kaliban

was hat der mensch nur an sich daß er wurde
prospero hinterm focus
schlägt mit seinem buch auf fliegen ein
schuld ist immer der andere

die herren vom theaterverein
im sprechen die seiten wechseln

mein tod ist der tod des anderen

der thronfolger hat noch grund zum streiten
ein alter mann hält sich an seinem degen fest

das untier steht still zwischen tobender menge
ein tag ist lang ein leben
aus seiner rolle fällt stephano in seine rolle
sie sterben wie die fliegen

schwere schuhe unterm reifrock
ferdinand reißt sich am holz splitter ein
miranda nimmt ferdinands hand
und spricht ihren namen aus
er kann sie beim wort nehmen
es gibt spiele die wehtun

ariel auf prosperos schoß
miranda über den brüsten ‚coke‘
streichelt ferdinand mit ariels feder
dann drückt sie ihm einen dolch in die hand

was an gesichtern umgeht weiß ich nicht

stephano und trinculo bis zum hals in der soße
zwei trunkene clowns werfen die türen auf
nackt der eingeborene zwischen ihnen still
der häuptligsstab übermannshoch

ein kellner
es gibt nur fünf auf der insel
vier sind drei davon
trinculo fechtet mit einem tablett gegen kaliban

menschen dem menschen shakespeare ausgeliefert
prospero eine seiner stimmen
ein clown verschließt dem anderen den mund
der dreht ihm die zunge um
nagelt prosperos kopf an ein buch
kaliban weint nach seinem traum
prospero hält sich den kopf
die clowns schlagen sich die zähne ein
dann lachen sie wieder

die insel ist voll tönen
sebastian balanciert seinen dolch auf dem finger
trinculo fällt von der bühne auf die straße
stephano steckt den kopf in den sand
kaliban steht seine gefangenschaft aus
wer raucht wen auf
streit im salon
clowns schnarchen unter der erde

alles hängt am gelde
die wirtsfrau das echo des kanibalen

vom ersten tag der reise an gonzalo
der spielmacher ein narr
hörte gonzalo von gonzagos schicksal

wenn alle schnell gehen geht der könig langsam
der kanibale wirft seinen speer in die zuschauer
eine meute die nach milch geht
wir laufen seit monaten auf dem teppich hin und her
völlig allein gelassen
antonio den degen unter der jacke haltend
beschmiert sebastians gesicht mit blut
die zweiten unter sich

keiner wagt es zuerst
könig alonso in steppschuhen

prospero stimmt sein instrument
die fallhöhe ein bunter teppich
struktur ist nicht alles
der spiegel muß weg

das spiel des wetters
frauen auf der wiese
der nymphen tanz
für männer unsichtbar
von ihnen bewegt
seltsame harmonie
obst fällt in den schlamm

zwei blutige hände aus dem nebel
ariel spielt mit den stimmen prosperos
der apfel fault von innen
antonio platzt der kopf
gonzalo läßt ihn hängen
durch könig alonsos mund fließt ariels todeskuß
ihr männer taugt nicht zum leben
der totgeglaubte sohn spricht aus dem vater

was hat der zu sagen der könig ist
prospero gibt seine tochter ab
prinz ferdinand stürzt ein gebet herunter

ihr seid männer der sünde
ach und weh zweimal ariel sprechen von dort nach da

sycorax zieht prinzessin m. unter ihre decke
rasiert sich die beine
und tritt als juno in erscheinung

im salon der frauen das opfer der zauber
sie spucken den samen des roten apfels aus
wasser wäscht ihnen den mund
dann sprechen sie die worte aus

grüne flamme
der himmel reißt auf
es regnet gold
antonio fängt die ähre der ceres
in die der gehörnte pluto dringt
gonzalo riecht an einer sonnenblume
umringt die göttinnen stützen sich

frauen von der natur benutzt
die kalte mitte eine schale aus blech
mirandas hand schützt eine motte vor den flammen

schulter an schulter das junge paar
sieht der göttinnen maskenspiel zu

verbrennen des korns schmecken des raums
sebastian fechtet mit dem rauch

dem zauber nicht trauend
ein mädchen spielt die stimme frei
miranda zu ihrem selbstvergessenen vater
der alles andere vergaß

warum die vielen worte shakespeare
ein alter mann spielt mundharmonika
einem könig könnte es nicht besser gehen
bald kommt der gehirnschlag

augenzwinkern der göttinnen
trockenschwimmen der frauen

ariel flieht vor ariel
unnahbarer himmel
ein kanon wird gesungen
die idylle zieht ab

beifall erwartende verbeugung
spiel der frauen geister
prosperos beine gehen hin und her
die gut betuchten wollen in den göttinnen wühlen

prosperos senkblei schleift
über den brettern die die welt bedeuten
nun steigt der entwurf zu kopf
die zaubergeige splittert

shakespeare hat ovid gelesen
was hat ovid gelesen

melmoth der wanderer
lebt ein gefühl aus

wo ariel lag liegt ariel

prospero vergrößert seinen leib durch einen geigenbogen
was heißt shakespeare

gevatter tod spielt prospero
worte sprechen angst
mehr essen kann sie auch nicht
ich bin das zeug aus dem die träume sind
im schatten gonzalos hamlets mond

die wirtsfrau denkt nach
kotzt in den abwascheimer
dann stirbt sie doch

neben ferdinand will miranda
sich vom vater nicht mehr küssen lassen
ferdinand und miranda in prosperos zelle

an der wäscheleine sein zaubermantel
der alkohol macht stephano zum könig
zwei clowns pissen gegen den wind
es wird um einen mantel gerungen
der strand pferdemist

prinz ferdinand sieht das blaue licht
miranda gähnend unter frisch gewaschenem haar
die große schwarze wolke sycorax
wärmt sich die hände an einer grünen flamme
braut einen balsam

ein schiff wird kommen
auf der anderen seite des glücks
der prinz horcht nach dem sturm
ein mädchen bleibt miranda nicht

zurück in die zukunft
die letzte nacht der bücher
prospero dichtet seinen abgang um
aus der erde zurück in den salon steigend

gesänge der ariel zerreißen im hundegebell
die kreisspiele beginnen
die mannschaft wird herbei geblasen
frauen sehen den spielen der männer zu
ein mensch hangelt zum anderen
im schatten des zirkels prospero
verdeckt mit seinem stab ein auge
der eingeborene steht für einen scharfrichter
im pentagramm der insel wird die krise sichtbar
prospero nimmt die hand antonios nicht an

lenker des schiffes verriegeln das tor
wie soll die welt ohne menschen leben

inmitten des sterns
des gefühls wegen lügen
was an gesichtern umgeht
im schatten einer robe

ein schrei sticht in die theaterwand
ariel stolpert an der teppichkante
der teufel spricht aus ihm
sebastian erkennt das andere gefahren sind
prospero steht sich selbst im weg
kein anderer ist ihm möglich
er versichert sich seiner feinde gunst
will auf ihr schiff genommen werden
gefangen unter den linden der letzte zauber

prinz ferdinand hinter der bühne
spielt mit der ankleiderin schiffe versenken

der jungen welt der alten gegenüber
prosperos arbeit endet
kein gerechter könig
wenn nicht jeder mann ein könig ist

der bootsmann steigt verschnupft aus dem wasser
gonzalo sieht seinen galgenstrick wieder
laßt eure liebe uns befreien
gleich tut sein gleiches

die königin mit des königs bruder
kaliban beißt in prosperos bibel
ein mensch probiert einen menschen aus
unter dem zaubermantel das herrschergewand
prospero bittet das erste mal
ariel braucht seine freiheit nicht mehr
arbeitslos heißt ohne arbeit sein

ein anderer teil der insel
kaliban reißt sich prosperos haut vom leib

der mensch der buckel seiner phantasie
sein werk ein schatten
das man haben muß was andere sind
kindlich

in einer ecke des spiels
sehen die alten
das schachspiel ihrer kinder

teilen wir was wir haben
oder wir werden geteilt

der abrechnung folgt die abrechnung
der mensch ein raubtier
trauer des bösen
mehr essen kann sie auch nicht

shakespeare ausbuchstabiert
prospero in seinen zwischenräumen
der gedanke bleibt unvollkommen

die instrumente klingen wieder
prospero spricht bitter vom glücklichen verlauf
und bleibt sich selbst unerkannt

im salon werden die reste getrunken
der kreis löst sich auf
auf der bühne schlägt prospero antonio nieder
nichts ist umsonst
zwei ekel als brüder
wasserzeichen des sturms

das beste ist vorüber
utopie vergangenheit
ariel flieht zum himmel

das licht bringt schatten in die gesichter
sycorax fällt aus der ohnmacht
miranda gehen die augen auf
ein prinz in kurzen hosen
schöne neue welt die solche menschen hat
der kanibale als tanzlehrer

ich bin immer noch königin schönste
gesichter wenden sich nach dem licht
wer nimmt wem das spiel

risse in der haut der königin
ein kellner wirft seine schürze über ihr gesicht
sie tritt ihm auf dem fuß
er wirft einen korbstuhl nach ihr

antonio auf dem tanz
macht sich an prosperos tochter heran
sebastian schmeckt eierlikör
antonio raucht die zigarren prosperos

könig alonso macht harakiri
dann steht er wieder
und kann wie ein mensch sprechen

trinculo haut das ei des kolumbus in die pfanne
miranda raucht sycorax zigaretten an
gonzalo kippt seinen schnaps in die blumen
antonio hilflos
warum liebt keiner die schauspieler

wir sind nicht mehr aufgeregt

wer sich nicht erträgt
verträgt niemand anderen
die instrumentenkunde geht ihrem ende zu
der lehren wasserflaschen und das wein
das licht des erfolgs macht die gesichter gleich
alles ordnet das chaos

der schwarze peter in gonzalos vision
ein reicher mann stirbt
was prospero machte geschah ihm
sein leben kürzer als der tod

wenn es um was gehen würde
jeder bestellt seine parzelle

besitzen um nicht besessen zu werden
außen und innen scheiden sich
an der wende der zeit
zugrunde gehen

der ehrgeiz frißt sie alle
die lage ist dramatisch
die gebildeten glauben an nichts anderes
wo nichts ist kommt nichts hin

zwischen bühne und bühne
der schmelzpunkt
wir sind biologisch abbaubar

die perlenkette um den hals geschlungen
beute prosperos
eine frau als optische täuschung der mann
einer lebt vom anderen

kaliban legt sich in den blauen himmel
die königin tanzt mit ihrer maske
am boden kriechend gonzalo im schildkrötenpanzer
der neue mensch sucht sich

ein schiff im gehirnwasser das weltenmeer
im staub der sterne
titanen götter

prospero kostet seine asche

die reise der dilettanten endet
ein letztes lied
was an kraft ich hab ist schwach

ferdinand und miranda sitzen ineinander
die schläfer schwimmen im weltenall
nur das spiel den liebenden bleibt
bist du schon mal ertrunken
miranda umarmt junos amor

am ende des lebens sturm
prospero selbstumarmung shakespeares
gespenster am toten mann
dramaturgie ein moment der weltgeschichte
mehr traum als erinnerung
eine wortwolke der sonnen wind

die türen werden aufgerissen
alles darf gehen

der himmel zieht vorbei
theater ohne horizont
ein sonnenstrahl schneidet den nebel

werdet wie die kindlein
shakespeare in manchesterhosen prospero
allein mit seinem text

zwischen den schenkeln der erdachse
als keiner sein mehr war

es war wie es manchmal im traum ist
hinterm theater wüste
von irgendwo nach irgendwann
im nirgendwo das wort brechen
zeit macht sprache tot

es ist alles so verdorben
ich kann den satz auch als punkt sprechen
spiel kommt ohne komma aus

sprache ist erfahrung
das urteil unregelmäßig

sturm ein drama in der rückschau
kein böses wort fällt
autorenstatement gruppenschlaf
geschichte das was nicht passieren sollte
der mensch das labyrinth das die natur gemacht

eine welle verläßt den salon …