Feistle

Grundtext. Schauspiel.

So beginnt das Spiel:

1. Akt GEBURT DES DRAMAS

WALD BEI HOHENHEIM

EIN SCHATTEN Auf einer Wegkreuzung zum Stehen kommend:
Das ist kein Weg
Wenn es ein Weg ist
Am Kreuzweg angelangt
Wie mich entscheiden
Im Dunkel unter Sternen bin ich
Ein Schatten meiner selbst
Wo gehe ich
Wald voller Ahnen
Zeigt mir die Richtung
Wo seid ihr
:Wind Blitz Donner
Ein Stern fällt vom Himmel
Ein Feuerball umkreist den Schatten
Springt in die Höhe
Sechs Lichter fallen aus ihm
Steigen wieder auf
Fallen herunter
Springen in die Höhe
Als anderes Licht hinunter
Aus den Lichtern bildet sich
Eine Lichtgestalt
Die den Schatten umkreist:
EINE STIMME Wer ruft mich
EIN SCHATTEN Ich
EINE STIMME Wer ist ich
EIN SCHATTEN Ich
EINE STIMME Was will ich
EIN SCHATTEN Ich will Wahrheit und Licht
EINE STIMME Er will Täuschung und Finsternis
EIN SCHATTEN Bin ich nicht deines gleichen
EINE STIMME Er ist es nicht
Und sollte von mir weichen
EIN SCHATTEN Beschwört seinen Geist:
Was ich nicht bin
Sollst du mir sein
:der Gaist löst sich aus dem Schatten:
GAIST Wenn ich dir gehöre
Bist du mein
EIN SCHATTEN Zum Grunde will ich
Ins Licht hinein
GAIST Kannst du nicht bescheidener sein
Was treibt dich
EIN SCHATTEN Ich weiß nicht
Was es ist
GAIST Was willst Du
EIN SCHATTEN Alles was ich nicht kann
GAIST Was kannst du dann
EIN SCHATTEN Möchte sein was ich bin
GAIST Das ist vom Leben der Sinn
FEISTLE Tritt aus dem Schatten
Betrachtet sein Gegenüber:
Wer bist du
GAIST Ich bin dein Geist
Und bin was du denkst
Werde da sein
Wohin du mich lenkst

NACHTWACHE

GAIST Beobachtet Feistle
wie er in seinem Wohnarbeitsschlafraum zwischen Stehpult und Fernsehapparat
hin und her geht.
FEISTLE Sieht fern
Schaltet von einem Sender zum nächsten:
In was für einer Welt leben wir
GAIST Das sage ich dir
Schau nur tief genug hinein
Was da flimmert
Ist nur Schein
FEISTLE Was ich sehe
Soll nicht gesehen sein
GAIST Es wird für dich gesehen
Was du nicht siehst
FEISTLE Kann das nicht anders sein
GAIST Um es anders zu machen
Musst du dich
Aus dem Staube machen
Der vom Himmel fällt
Durchstreife wie er die Welt
Ist sie auch nur eine von vielen
Musst du den Weg
Der Wege studieren
Den einer gehen kann
Dann fällt dir vielleicht
Was Besseres ein
Als leidvoll mit anzusehen
Was ohne dich geschehen
Wenn eine Welt
Allem widerspricht
Kannst du nur selber sein
Was du bist
FEISTLE Was bin ich denn
Was ist das Leben
GAIST Antwort bringe ich dir
Doch Antwort musst du mir geben
FEISTLE Die Welt ist Fragen
GAIST Du wirst sie mir schon sagen
FEISTLE Wenn du nach meiner
Art und Weise schaffst
Und mir Erfahrung machst
GAIST Wenn es nach dir geht
Kann ich das
FEISTLE Und mehr kannst du nicht
GAIST Meine Gabe stößt an deine Grenzen
Was ich vermag gebe ich dir
FEISTLE Das will auch ich
GAIST In wessen Natur willst du
FEISTLE Ich nehme deine
GAIST In wessen Gestalt
Soll ich dir erscheinen
FEISTLE Nimm meine
:Implosion der Bildröhre:
GAIST In Feistles Gestalt:
Da bin ich
FEISTLE Sieht sich Feistle an:
Ich gebe mich dir her
GAIST Von mir bekommst du mehr
FEISTLE Was kannst du
Was ich nicht kann
GAIST Das kommt drauf an
Willst du ein anderes Leben beginnen
Lasse dich von mir gewinnen
FEISTLE Von dir gewonnen sein
Und gewinnen
Möchte ich gern
Auch was lernen
GAIST Was lernen wirst du schon
Aber was ist mein Lohn
FEISTLE Du kannst in mir wohnen
GAIST Will lieber frei sein
FEISTLE Ich sperre dich nicht ein
GAIST Sieht sich in Feistles Wohnarbeitsschlafraum um.

BLUTPROBE

FEISTLE Habe ich was
Was du brauchen kannst
GAIST Einen Tropfen nur
Von deiner Kraft
FEISTLE Wenn du mir gibst
Geistes Macht
GAIST Ob du begabt genug bist
Den Geist der Natur zu verstehen
FEISTLE Wir werden sehen
GAIST Willst du mich
So will ich dich
Ein Tröpfchen nur
So bin ich dein
Dein Blut muss
In mir sein
Was zögerst du
Wirst mir nicht krank sein
FEISTLE Mein Blut will sich dir
Von allein nicht geben
GAIST Es gibt kein zurück
In diesem Leben
Bekomme ich dich zu fassen
Will ich die Stichprobe machen
Zieht eine Spritze aus dem Futteral
FEISTLE Reicht dem Gaist seinen linken Arm
Ich habe Angst
Und bin gespannt
Was du aus mir machst
GAIST Nimmt Feistle Blut ab
Ich bin dem Menschen Geist
Tag und Nacht
:Untersucht das Blut an verschiedenen Geräten
Stellt Feistle in ein Röntgengerät
Betrachtet das Feistles Röntgenbild
Zieht Feistle an sich
Beißt ihn in den Hals:
Spüren wirst du
Was meine Lust ist
Das du des Geistes
Von meiner Gestalt bist
FEISTLE Wenn ich nur begreife
Was ich sehen kann
GAIST Es ist Nacht
Und noch nichts geschehen
Am Tage
Werden wir weiter sehen
:Starker Lichteinfall
Blendung der Zuschauenden…

Den Text für das Schauspiel können Sie unter der in der Rubrik ‚Rechte‘ genannten Anschrift erhalten.