Farbreise

TEXTHEFT
zur Ausstellung ‚Farbreisen – 1987 – 2017 – Eckhard Koenig – Malerei & Künstlerbücher‘
in der Galerie Karlshorst am vom 24.06. bis 27.08.2017.

FARBREISE

Da ist einer unterwegs mit Farben im Licht,
in eigenen fremden, fernen nahen Räumen,
zwischen Figuration und Abstraktion,
wie Sphären die Form wechselnd.

Verspürt er in Balance zu schwingen,
sieht er sich in Licht und Farbe zugegen.
Im Fabulieren gewann er Einsicht,
weshalb sich das Sein wandelt.

Nicht nur er ist endlich,
nicht nur was verlassen hinter ihm,
verloren brach liegt,
was ihn umgab und umgibt,
sein Dasein prägte.
Auch was auf ihn zukommen,
wohinein er gestellt sein wird,
das ihn künftig begegnende,
durch das er sich begegnen wird,
wird nicht endlos sein.

Bleibt dem Maler jenes Sehende,
in einer Assoziation aus Farbe und Form,
ein Erinnern an das erinnert sein,
dem er mit seinen Sinnen Gestalt gab.

Ohne Bleibe in der Zeit,
in der er unterwegs ist,
in der Gewalt Geste Gabe des Augenblicks,
in der Malerei Zuflucht findet.

Assoziation zu / Versuch über

MAROKO – AUSGRABUNG – FUNDSTÜCKE

Rudimente scheinbar geordnet, wie Fundstücke einer Ausgrabung
zueinander gelegt.
Zu sehen welche Teile zueinander passen,
vielleicht eine gemeinsame Funktion ergeben,
etwas von dem offenbaren, von dem wir noch nichts wissen
und vielleicht in unsere, die neue Zeit übernehmen können,
eine Kenntnis, Essenz, Erfahrung, Zeitzeugnis vielleicht,
Lebensart der Alten, Gebrauch von Werkzeug, Wundheilung des Körpers,
Messung des Landes, Deutung des Himmels,
abgestorbene, weil nicht mehr gebrauchte Religion und so weiter.
Stummes Zeug zum sprechen zu bringen, aus toten Dingen zu lesen, zu rekonstruieren,
wie sie hausten, was sie taten, wovon sie lebten, woran sie glaubten,
woher sie kamen, warum sie blieben, wohin sie gingen, woran sie untergingen.
Bisher uns verborgene Erkenntnis in den Lauf des Lebens, durch ihre Dinge aufzuspüren,
in unsere Existenz aufzunehmen, das Sein der Vorfahren zu interpretieren, zu erahnen,
was wir nicht mehr erleben sollten, was wir nicht mehr erfahren brauchen,
weil unsere Verhältnisse anders sind, vielleicht nur anders erscheinen,
als ihre Stände, Zwänge, Triebe, die das uranfängliche, archaische Leben bestimmten.
Im Bemühen zu überleben, im Versuch der Gewalt zu entgehen, unsere Gemeinschaft erfährt:
Du sollst nicht morden, Du sollst kein Schurke, Scheusal, Schlächter, deines Nächsten sein.

Assoziation zu / Versuch über

NACH MITTERNACHT

Nach Mitternacht liegt mancher traumlos in Träumen.
Nach Mitternacht tauchen Wesen ins Dunkel.
Nach Mitternacht gewinnt manches an Gestalt.
Nach Mitternacht kreisen Gedanken um ihre Schatten.
Nach Mitternacht lichtern die Geister.
Nach Mitternacht leuchten Farbspiele auf.
Nach Mitternacht sehen, was bei Tage nicht zu sehen war,
bis in die blaue Stunde des erwachenden Tages,
geistig gescheit dem Hellwerden entgegen,
wie ein Schichter, der sich schwer mit seiner Gabe tut.

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MADONNA – RUDIMENT

Äußerlich betrachtet und beschrieben:
Jenes zerteilte, vereinzelte, sich auflösende entspricht wessen Geist und Gemüt?
Das irgendwie lose voneinander, aber doch zueinander gehörende,
in einer Zusammenschau aufeinander reagierende.
Es ist da, aber auch irgendwie nicht.
Die Außenansicht eines Innenlebens vielleicht,
eine fragmentierte Wahrnehmung, Wirklichkeit,
vielleicht ihre Flucht, ein nicht auf sich bestehen, ein sich unangreifbar, schuldlos machen.
Ein Sein und nicht sein, im grundlosen, verbrauchten, entleerten, unechten.
Ein in sich durchlässig, unbeständig, abgründig sein.
Ein Sein im Doppelsinn.
Im Geiste einer Geste ohne Gabe.
Von Beginn an für sich, an sich, frei.
Getrennt und geteilt.
Das Alleinsein koloriert.
Die Einsamkeit ausgemalt.
Sich umschlingend menschenscheu.
Etwas Geisterhaftes in Lila.
Hemmung und Hinderung,
Depression im Gewand einer Madonna vielleicht …

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KALTZEIT IN HELSINGFORS (FÜR AKI K.)

Wasser, Schnee, Eis,
weißgraue Nebel über
allen blau bunten Strömen.
Der Himmel gefroren,
die Wälder umfroren,
die Kreatur in sich erfroren.
Wie kalt kann es werden,
dem bleiernden Grau überlassen?
Wir kalt kann es sein
wenn man sich dem Frust und dem Frost überlässt?
Wenn man sich dem Frost und dem Frust überlässt,
ist die Freude ……. Frozen …

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KINDHEIT (Erinnerung)

Im Gras liegen.
Auf den Baum steigen.
Einen Satz in Wut sagen.
Und wieder nicht hören.
Als ich ein Kind war,
war der Mensch ein unbekannt.
Als ich ein Kind war,
schied sich Wärme von Kälte,
allein sein von gemeinsam.
Als ich ein Kind war,
war Tag war Nacht.
Ich kannte die Angst.
Als ich ein Kind war,
wurde gesagt, was gut ist
und ich war kein Kind mehr.
Als ich ein Kind war,
ahnte ich nicht,
was ich erleben sollte.
Nun gebe ich mich.
Wer weiß wozu?
Was ist gut,
möchte ich fragen
und wie weiter?

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ATEM

Der Schlag des Herzens.
Im Ton des Lebens.
Die Befreiung des Atems.
Im Kreisen des Lichts.
Die Auflösung der Schwere.
In Tiefen des Wesens.
Die Leere des Geistes.
In der Essenz der Gegenwärtigen.
Die Umrandung des Nichts.

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FLUGBILD

Fallend vielleicht aufsteigend,
nach unten oben schwebend,
kreisend im grauen Vakuum,
entbunden jeder Schwere.

Aufgehoben, die eigene Fülle, Wucht, Last,
die einem angeboren
und sich nie abstreifen, ablegen, aufgeben ließ.

Sich leicht und luftig,
in Lust und Laune,
los lassen.

Schwingend, schwebend, schwimmend
im Sog der Farben,
ihren Schatten und Schattierungen.

Aufsteigen aus dem Grau …

BETRACHTEN (Entwurf)

Zuerst die Bilder betrachten.
Dann beobachten, wie ich sehe
und warum so und nicht anders.
Bedenken, wie man ein Kunstwerk beschreiben kann.
Mal anders herangehen,
nicht wie ein Gebildeter, Gelehrter vielleicht,
der durch seine Bildung, Gelee(h)rtheit sieht.
Ahnen, wie die Bilder auf dem ersten Blick wirken.
Was man auf den zweiten Blick verspürt?
Wie man sie vielleicht auch anders sehen kann.
Was zeigen sie selbst von sich aus?
Was ist ihr Anteil an meiner Sichtweise?
Was bringe ich in sie ein?
Bin ich unabsichtlich?
Habe ich eine Absicht?

WAS WISSEN BILDER ÜBER SEINEN MALER (Nachdenken))

Was wissen die Bilder über seinen Maler?
Was zeigt ein Werk über ihn?
Weiß er selbst, was er da macht?
Ist ein Werk nicht immer klüger als sein Urheber?
Ist der Urheber, der alleinige Gestalter seines Werks?
Offenbart sich sein Wesen nicht erst durch den anderen Blick,
die andere Sichtweise,
Erfahrung, die dem oder dem das Werk begegnet?
Wird ein Bild nicht inhaltsreicher, vom Bildner unabhängig,
wirkt es nicht eindringlicher, durch den Betrachter,
der seine Lebenswirklichkeit an ihm spiegelt?

EINES TAGS SAGTE DER MALER … (Zurückschau)

Gemalt Schicht um Schicht.
Wieder abgeschabt bis auf die Leinwand.
Etwas anderes auftragen.
Eine Farbe, die die untere Schicht, den unteren Belag,
das vor ihr Seiende durchscheinen, durchschimmern lässt,
Spuren, die übrig bleiben, Zustände.
Im Laufe von Jahren,
vom überbewegten zum Ruhenden, freigelegt,
das einst überbordende zurück zum Habtischen der Materialität.
In Jahren Jahrzehnten
verändern sich Zustände, meine Sichtweisen des Objekts.
In Jahren Jahrzehnten,
an dem ich an einem Bild immer wieder arbeite,
tritt das Motiv immer mehr in den Hintergrund,
die reine Malerei zeigt sich,
von der durchscheinenden Leinwand
bis zum Plastischen auf ihr.
Die abstrakte Struktur,
das Matte und der Glanz interessieren mich,
das von unten herauf kommende
das Durchscheinende, schimmernde.
Was bleibt von der Arbeit,
die mir immer ein anderes Bild zurücklässt?

FFM – FarbFormMeditation (Betrachtung)

Ein Nachdenken über Farbe und Form,
im Widerschein des Lichts,
vielleicht eine kleine Meditation über ein Nicht,
das man erschauen, empfinden, erleben,
das man nicht berühren, ergreifen, veräußern,
nur sehen, vielleicht jeder erfahren,
einen durchdringen, in sich auf-, mit sich nehmen kann.

Kunst ist allemal Geschmackssache, aber
sehen sie sich die Malerei des Malers Koenig,
die Bilder und das Gezeichnete
und vielleicht am 19. August die Malerbücher näher an.

Was man sich ihnen gegenüber so fragen kann.
Was macht das Ansehen, das Hineinsehen mit mir?
Denke ich mir zum Augenblick nichts aus?
Schaue ich es in den Bildern?
Denke und dichte ich ihnen was an?
Farben und Formen schauen mich an.

Sehenswert, was so ein Maler gestaltet.
Eigenartig, dass man es sehen kann.
Merkwürdig, dass man es sehen,
was spüren, fühlen, es aber nicht deuten,
sich nichts dabei denken,
fast nichts darüber sagen kann.

Sehe ich die Form als Form,
die Farbe als Farbe an.
Wie sieht, spürt, spricht einen,
wie fühlt sich das an?
Es stellt nichts dar.
Es macht dir nichts vor.
Es ist, was es ist.

Hier hat es kein Wort,
das einen Sinn finden kann.
Wonach Sprache doch immer wieder sucht.

Weiß, wie die Unschuld. Blau, wie die Treue. Rot, wie die Liebe.
Gelb, wie der Neid. Grün, wie die Hoffnung. Braun, wie die Demut.
Grau, wie die Not. Schwarz, wie die Trauer.

Hat Farbe Charakter?
Erinnert Form etwas in uns?
Bringt Farbe eine Erfahrung in uns ein?
Können wir ohne Form,
dem runden, eckigen, ovalen, geometrischen,
vegetativen, floralen und so weiter,
nebeneinander, zueinander, gegeneinander,
ineinander, übereinander, miteinander verwoben
und für sich allein, sein?

Welche Wirklichkeit hat Form?
Was zeigt Farbe?
Was wurde uns zur Norm?

Blendet, spiegelt, lichtet sie?
Klärt sie uns auf?
Was tut sie zwischen Farben,
in Form und Fläche, neben der Linie,
die die dritte Dimension sucht?
Möchten wir es sehen
oder können wir es nicht?
Was spürt, fühlt, ahnt man in ihrem Angesicht?
Was richtet sie mit unserem Sehen an?

Schaut man das Schöne nicht,
ohne dem Hässlichen begegnet zu sein?
Was fällt einem dazu ein?

Bleiben Formen nicht, was sie sind?
Machen Farben nicht, was sie können, erregen?
Seine FarbFormFindungen abstrakt bunt.

Alles Farben der Erinnerung Formen.
Die Helle, die das Dunkel umhüllt.
Eine Statik, die sich ins Offene neigt.
Die Reise ein Stillleben voller Bewegung.
Nachsinnen der Strukturen und Schichtungen,
Konzentration im Unkonzentrierten.
Im Bild und an seinen Rändern auftauchend,
was nicht gezeigt ward,
anwesend alles Ungesehene?

Erinnern an das erinnert sein?
Im Verschwinden der Schatten etwas Haltloses,
in dem nichts mehr ist, wie es ist.
Die Umrandung des Lichts.
Die Umrandung des Nichts.
Eindrucksvoll und beängstigend die Auflösung von gewohnten Sichtweisen,
die Aufhebung des Bekannten,
der Eindruck, dass zwischen Vergangenem und Gegenwart etwas Unbestimmtes,
vielleicht nichts ist und uns bleibt.

Im Versuch dem Drama,
der Erzählung der Welt zu entgehen?
Nur wer mit sich selbst im reinen ist,
kann gestalten und sehen.

Fällt mit Grund, was gefällt,
Natur der Dinge, Anschein von Welt?
Was gefällt wird fallen, vergesse nie,
jede Malerei ist ihre Melodie.

Was nicht gezeigt war, ward auch nicht gesehen.
Was nicht gesagt wird, wird auch nicht gedacht.
Wohin hat uns das gebracht?

Es gibt kein Denken außerhalb der Sprache.
Gibt es ein Sehen außerhalb von Licht?
Versuchte ein Gedicht.
Farben denken nicht.
Sind sie am Ende einfach nur Licht?
Licht das sehen kann,
wenn man, was zu sehen ist, sehen kann

Farben denken nicht.
Was ahnen und fühlen wir nicht?
Können wir uns spüren?
Wohin können uns Bilder führen?
Nur durch das Andere, – den Anderen,
sehen wir es uns an.
Dem Anderen gegenüber,
das Eigene erst sehen kann.

Klingt aus Bericht.
Denken Farben nicht,
ist es nur,
ist es mehr als Licht?

Hier erhalten Sie einen Einblick in die Arbeit von Eckhard Koenig.