Augenblick des Amlodhi

Spielform eines Mythos nach Saxo Grammaticus, der Edda und anderen Quellen.
Schauspielfragment.

Die Handlung:

VORTEIL

IM HIMMELSMEER EINE INSEL. Hinter den Ufern, aus unterschiedlicher Richtung, Schritte durch den Wald, näher kommend, je tiefer man in ihn ein-, je weiter man ihn durchdringt. Plötzlich stehen sich KOLLER und ORWENDIL auf einer Lichtung gegenüber.
Auge um Auge. Aufstieg oder Untergang? Wer ist Sieger, unterlegen wer? Angesichts der Himmelsmaschine, Rede an im Schicksal Gleiche. Ob Feind oder Freund, gestorben wird immer. Der Neid weicht im Tod. Sein Grab bleibt keinem verschlossen. Das Gedächtnis endet und Menschen Pflicht ist, was Menschen ist. Sieger und Verlierer versöhnt Natur. Wider dem Kampf versprechen sich die Feinde, einer dem anderen, Ehre.
ORWENDIL, im Feuer seines Mutes, fasst das Schwert mit beiden Händen. Schlag auf Schlag entblößt er KOLLER des Schildes, haut ihm ein Bein ab, stürzt ihn entseelt zu Boden, nimmt als Zeichen des Sieges, Schwert und Schild Kollers an sich und verlässt den Ort.
AN KÖNIG RORIKS HOF sind GERUTHA und FENGON in Liebe verbunden. ORWENDIL legt Schild und Schwert des Norwegerkönigs, dem Dänenkönig vor die Füße. RORIK dankt es ihm mit seiner Tochter. GERUTHA und ORWENDIL werden Mann und Frau. AMLODHIs Geburt. Im Wald singt EDDA den Kindern das Mühlenlied.
FENGONs Brudermord. Der Tugendhafte ist selbst vor den nächsten Angehörigen nicht sicher. GERUTHA, Mutter, Königin, Witwe liegt mit dem Mörder ihres Mannes, dem Vater ihres Sohnes im Bett.

HAUPTSPIEL

AMLODHI SCHLÄFT NICHT MEHR. Von Schmutz bedeckt, in der Asche seiner Sinne dichtet der Prinz Blödsinn. Im Feuer Holz härtend, Widerhacken den Tod des Vaters zu rächen. AMLODHIs Einfalt wird mit Trauer und Sorge gesehen, weiß man doch nicht, was in dem wilden Herzen vorgeht. Bedroht sein Wesen die Legenden des Königreichs?
AMLODHI wird von König FENGON auf die Probe gestellt. Ein Wolf wird vom Prinz als Pferd gesehen. Das Pferd am Schwanz geführt. Das Steuer eines gestrandeten Schiffes ist ein Messer, einen gewaltigen Schinken zu schneiden. Der Sand am Ufer, Mehl von den Wogen des Meeres gemahlen. Im Auge der Wächter ELNA, ein Mädchen, die Lust mit List erwecken soll.
FENGON verlässt das Schloss. Im Schlafgemach der GERUTHA schlägt AMLODHI die Arme wie Flügel hoch und nieder, kräht wie ein Hahn, springt auf, mit einem Schwert den Betthimmel, dann den sich unterm Lager verbergenden RATSMANN durchbohrend. AMLODHI kocht den Zerstückelten im heißen Wasser und gießt die Brühe durch den Abtritt, den Schweinen zum Fraß vor. GERUTHA wird zu Schweigen wissen. Der zurückgekehrte König lässt den verschwundenen Rat suchen. AMLODHIS WAHRHEIT GLAUBT KEINER. GERUTHA SPANNT DEN HIMMEL unter das Dach der großen Halle. Zur Besserung Verschiffung des Todeskandidaten nach Britannien. Der König organisiert seine Macht und sieht das Netz am Himmel nicht.
NACHTS AUF EINEM SCHIFF IM NIRGENDWO in Betrachtung des Himmels. AMLODHI erblickt in der Kajüte Runenstäbe, Fengons Botschaft an den König Britanniens. AMLODHI schabt an der Inschrift, entfernt und tauscht die Zeichen, den Mordauftrag, seine Todesanzeige, gegen die seiner WÄCHTER aus.
AN BRITANNIENS HOF. Das Brot schmeckt nach Blut, der Met nach Eisen, nach Verwesung das Fleisch. Der KÖNIGIN Benehmen ist das einer Magd gleich. Gewachsen das Korn auf dem Schlachtfeld, die Schweine haben an Leichen gefressen, im Brunnen rostige Schwerter liegen, eine Magd der Königin Mutter, des Königs Vater ein Knecht. König BRITANNUS gibt dem Prinzen AMLODHI, der den Tod seiner WÄCHTER in Gold aufwiegen und in zwei Stöcke gießen lässt, seine Tochter MAG zur Frau.
ZURÜCKFLUTENDE ERINNERUNG. Angesichts des himmlischen Meeres begreift AMLODHI das einst von EDDA gesungene Mühlenlied.
AMLODIS RÜCKKEHR IN DIE MUTTERSPRACHE. Das Vaterland feiert sein Leichenfest. Der Prinz legt erneut den Schein des lächerlichen Wahnsinns an, betritt, in den Händen das Blutgold, die große Halle und wird Mundschenk. Der Met lockert dem Hohn die Zunge. Der König geht trunken zu Bett. In der großen Halle fällt der Himmel auf die Schlaftrunkenden herab. AMLODHI verknotet das Netz unentwirrbar und legt Feuer an die Grundmauern. Das Schloss brennt nieder. FENGON stirbt an seinem Schwert.
AMLODHI hält sich verborgen. Die Gesinnung des Volkes ist unsicher. AUF DEM MARKT DER GERÄCHTE UND DER GERECHTE KÖNIG. Wohin die schwankende Menge sich neige im Ungewissen. AMLODHIs Rede vor der Leiche des Königs, der ein Tyrann, Vater und Mörder war. Ausrufung des neuen Königs, Asche im Wind. Gerächt wurde der Vater, der sein Vater nicht war. Ihm ist keine Besserung wiederfahren. Eine neue Zeitrechnung bricht an. Keine Zeitrechnung mehr.

NACHSICHT

Die Kinder ELNA und AMLODHI blicken aus einem Erdloch. Betrachtung des Himmels im Augenblick der Zeit.

Das Schauspielfragment können Sie unter der in der Rubrik ‚Rechte‘ genannten Anschrift erhalten.