Am Ufer der Reda

Drama aus der Glaubenszeit.
– gemeinsam geschrieben mit Katharina Schlender.

Die Handlung:

Kinder fragen, Erwachsene antworten, ein Chor stimmt an von der Erschaffung der Welt zu berichten. Swarog, der Sonnengott und Veles, der Beschützer der Toten erheben aus dem Chor ihre Stimme. Der Chor kommt wieder zusammen, gibt den Blick auf die Bühne frei und flankiert das Geschehen.
Von Wald umgeben, am Ufer der schönen Reda, wird eine slawische Siedlung sichtbar. Auf einer Landzunge, vom Wasser umgeben, befindet sich der Kultplatz Riedegost. Während des Sonnenaufgangs nimmt Milana im See ihr morgendliches Bad. Zlatkow, ein alter Mann, der einen Schluck Wasser trinken will, beobachtet die Liebliche. Da jagen zwei Reiter heran, werfen Milana auf ein Pferd und stürmen davon. Zlatkow stellt sich den Entführern in den Weg und wird von ihnen zu Boden geworfen. Von den ungewöhnlichen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen, verlassen die Sippen ihre Buden. Slavko, der Mann Milanas, und die Söhne Dunko und Drago verfolgen die Entführer, während Zlatkow seiner Sippe berichtet, was sich zugetragen hat. Da die drei Männer Milana nicht finden und befreien konnten und die Ernte naht, macht sich Slavko allein auf den Weg. Er geht zum Kultplatz, legt eine Gabe für den Radegast nieder, bittet den Oberpriester Slawomir, um einen erfolgreichen Ausgang der Suche nach seiner Frau und verlässt die Siedlung.
Dunko begehrt Janika, die ihm von ihrem Vater Pomil, der Bauer wie er ist, versprochen wird. Janika begehrt Drago den Schmied. Während der täglichen Arbeit wird sie von ihrer Mutter Domna und ihrer Großmutter Andreana, immer wieder zu einer Entscheidung gedrängt. Janika geht zum Ufer und wirft den Elementargeistern Vila und Rusa, sich die Zuneigung von Drago wünschend, Blumen ins Wasser.
Als sich Dunko mit Gewalt Janika nähert, eilt Drago, durch Janikas Schreie aufgeschreckt, herbei und es kommt zum Kampf der Brüder. Dunko sticht mit einem Messer auf Drago ein. Da die herbei gelaufenen Frauen, die Kämpfenden nicht auseinander bringen können, schlägt Pomil Drago mit einem Ruder nieder, da er ihn für den Gewalttäter hält.
Dunko wird auf den Gerichtsplatz gestellt. Da Pomil sich beim Oberpriester Slawomir für Dunko einsetzt, soll das Los entscheiden, ob Dunko sein Leben lassen oder die Siedlung für immer verlassen muss. Da der Loswurf kein eindeutiges Zeichen gibt, soll Dunko selbst entscheiden, welche Strafe ihn treffen wird. Dunko verlässt die Siedlung.
Rusa, der Geist eines vor der Hochzeit gestorbenen Mädchens, singt ein Verwünschungslied auf Pomil, da er Dunko Schutz vor der Strafe gewähren wollte. Janika pflegt Dragos Verletzungen. Pomil hält Zwiesprache mit dem Radegast, ob er einen Sippenstreit anstreben, oder es beim Richterspruch bewenden lassen soll. Beunruhigt verfolgen Andreana und Domna das Werben von Janika und Drago umeinander, da sie sich Pomils Ansicht nicht sicher sind. Milo, der Jungpriester begegnet in einer Trance dem Gott Radegast und bittet ihn, um Einweihung in die Mysterien des Lebens.
Als Jakub, ein Händler aus dem Orient, Janika erblickt, möchte er sie kaufen. Domna wehrt das Angebot entschieden ab, während Andreana ihre Enkelin den weiteren Blicken Jakubs entzieht. Drago tauscht bei Jakub Geschmiedetes gegen Schmuck ein.
Der Chor hält Jakub vor dem Wald auf und hinterfragt die Gründe die Jakub veranlassten, sich soweit aus seinem Heimatland zu entfernen.
Drago gibt Janika, als Zeichen seiner Zuneigung, die bei Jakub eingetauschte Kette. Der Oberpriester Slawomir weiht seinen Schüler Milo in die Geheimnisse des Radegast ein. Im Wald lauert Dunko Drago auf und erneuert seinen Anspruch auf Janika. Statt den Bannspruch zu erfüllen, lässt Drago seinen Bruder Dunko gehen. Pomil begegnet auf seinem Feld dem Fruchtbarkeitsbringer Simargl, eilt zu Domna und Andreana, um ihnen das Ereignis mitzuteilen, dass es eine gute Ernte geben wird. Drago erlegt auf der Jagd ein Reh, schenkt es Pomil und bittet ihn um die Hand Janikas.
Zlatkow erliegt seinen Verwundungen. Während der Verbrennung löst sich sein Geist aus der körperlichen Hülle und geht am Fuße des Weltenbaums in die Unterwelt ein. Die drei Wirklichkeiten Prawia, Jawia und Nawia berichten über die Gestalt der Welt.
Slavko kehrt ohne Milana heim und stellt die stumme Wanda, die er im Wald verlassen aufgefunden hat, als seine neue Frau vor. Pomil der keine Familienfehde zwischen den Sippen aufkommen lassen will und Slavko, werden sich über das Brautgeld einig. Drago führt Janika von einem Haus in ein anderes. Die Rituale des Hochzeitfestes finden statt.

Ein Jahr ist vergangen. Janika hat ihren Sohn Antek zur Welt gebracht. Pomil fragt Slavko, warum Wanda nicht auf dem Kultplatz opfert. Rusa, die Pomil immer noch nicht vergeben hat, zerstört weiter seine Reusen. Als Wanda von Slavko auf den Kultplatz zur Opfergabe geschickt wird, schüttert sie diese unauffällig fort. Dabei wird sie von Janika gesehen. Rusa lässt Pomils Einbaum kentern. Vila rettet Pomil vor dem Ertrinken.
Janika nimmt Wanda mit zum See und erzählt ihr die Geschichte der Schwanenmädchen. Wanda schreibt fremde Zeichen in den Ufersand. Da ahnt Janika etwas von Wandas Geheimnis.
Konro, ein Schutz suchender Fürst, berichtet Slawomir von der Schlacht um die Burg am Marienberg. Beide sehen den christlichen im Gegensatz zum heidnischen Glauben. Konro erzählt Drago, dass sich sein Bruder Dunko, der christlichen Horde des Ortwin angeschlossen hat. Konro bittet Drago ihm ein neues Schwert zu schmieden, damit er Dunko erschlagen kann.
Dan, ein Abgesandter aus der Meckelburg, überbringt Slawomir eine Botschaft seines Fürsten. Die verfeindeten slawischen Stämme sollten sich zusammen tun und den Christen Tribut für den politischen Frieden anbieten. Slawomir bittet sich Bedenkzeit aus. Inzwischen versucht Dan, Konro für die Pläne der Abodriten zu gewinnen. Aber ohne eine Volksversammlung kann nichts entschieden werden. Milo wird zu den benachbarten Stammesgruppen geschickt, damit sie ihre Vertreter nach Riedegost schicken. Dan und Konro üben sich im Schwertkampf.
Plötzlich wird die Siedlung von der christlichen Horde des Ortwin überfallen. Die wenigen Slawen können sich der Übermacht der Christen nicht erwehren. Vor dem Weltenbaum wird ein Kreuz aufgerichtet. Ortwin versucht die gefangen genommenen Heiden zum Christentum zu bekehren. Doch die bleiben ihren Göttern und Elementargeistern treu und nehmen nicht den neuen Glauben an.
Ortwin lässt den Kultplatz Riedegost zerstören und die Siedlung plündern. Dunko nimmt den Oberpriester Slawomir gefangen, foltert und erschlägt ihn. Dann schleift er Janika hinter eine Bude und vergewaltigt sie. Als Wanda die leblose Janika erblickt, findet sie vor Schreck ihre Sprache wieder. Ortwin entdeckt seine tot geglaubte Schwester Elsa in Wanda wieder. Wanda berichtet Ortwin von ihrer Flucht und der Aufnahme bei den Redariern. Dan lässt sich taufen und muss, als Beweis seiner Treue zum neuen Glauben, den Heiden Konro erschlagen. Wanda nimmt den mutterlosen Antek an sich und bittet Ortwin, Drago zu verschonen.
Aus dem Wald stürmen die Abgesandten der heidnischen Stämme heran. Drago wird befreit. Wanda kann sich nicht entschließen mit ihrem Bruder Ortwin zu gehen und bleibt in der Siedlung zurück. Drago findet Janika tot. Dunko und Dan werden gefangen genommen, die christliche Schar in die Flucht geschlagen, die brennende Statur des Radegast wird gelöscht. Milo ruft mit den Worten: ‚Wollt ihr Slawen oder Sklaven sein?’, die Volksversammlung aus.
Angesichts der Kraft der zentralen christlichen Kirche begründen die Slawen ihr zentrales Heiligtum ‚Riedegost’. Ihr Kultbund der Lutizen soll die Energie der vereinzelten, nordöstlichen, slawischen Stämme, gegen die anstürmende Macht der Christen, bündeln.
Milo wird als Oberpriester anerkannt. Das Rossorakel prophezeit den Männern, in den Kampf zu ziehen. Dunko muss sich dem Zweikampf mit Drago stellen und wird von diesem erschlagen. Der abtrünnige Dan wird dem Radegast geopfert. Die Krieger nehmen Abschied und ziehen in den Kampf gegen die christlichen Eroberer. Der Chor umringt die Hinterbliebenen und betrachtet aus der Gegenwart die Geschichte.


Es gibt eine Hörspielfassung des Schauspiels.
Das Schauspiel ist zur Uraufführung frei.
Das Hörspiel wurde bisher nicht produziert.
Den Schauspieltext und die Hörspielfassung können Sie unter der in der Rubrik ‚Rechte‘ genannten Anschrift erhalten.
Rechte im Vertrag mit henschelSchauspiel.